Eine Vergewaltigung ist eine schlimme Gewalttat. Es ist keine sexuelle Handlung, sondern ein Gewaltverbrechen, welches über den Körper erfahren wird und bis tief ins Innerste trifft. Eine Vergewaltigung ist ein Angriff auf die Persönlichkeit, es geht um die Ausübung von Macht, Kontrolle und um die Erniedrigung des Opfers.

Es gibt die Vorurteile, dass nur Frauen vergewaltigt werden, welche häufig ihren Partner wechseln, sich aufreizend kleiden und sich auch so verhalten. Dadurch hätten sie den Täter provoziert und würden selbst Schuld an der Tat haben. Solche Vorurteile tragen dazu bei, das Vergewaltigungen häufig nicht ernst genommen und/oder verharmlost werden. Es besteht auch hin und wieder die Meinung, dass eine Vergewaltigung die geheimsten Wünsche von Frauen erfülle. Wobei diejenigen sich dabei wirklich ernsthaft fragen sollten wie sie auf solche Gedanken kommen, denn eine Vergewaltigung wird als lebensbedrohliches Ereignis erlebt. Die meisten Opfer durchleiden während der Tat eine entsetzliche Angst, wenn nicht sogar Todesangst.

In den seltensten Fällen ist jemand auf eine Vergewaltigung, auf einen plötzlichen Angriff mit massivster Bedrohung vorbereitet. Es bleibt kaum Zeit für einen Gegenangriff. Das Vorhaben des Täters ist nicht abzusehen, die eigene Kraft ist den wenigsten bewusst und es beginnt ein Kampf ums überleben. Manche Opfer empfinden während der Vergewaltigung gar nichts mehr und andere schaffen es eine Trennung zwischen Körper und Geist herzustellen.

Nach der Vergewaltigungssituation ist es für die meisten Opfer schwer die Tat emotional begreifen zu können. Das Geschehene als Realität anzuerkennen ist dann unmöglich und die Opfer können nach der Tat kontrolliert bzw. gelassen wirken und scheinbare innerliche Ruhe vorgeben. Im Gegensatz dazu können Opfer aber auch ihren massiven Gefühlen unterliegen, der schmerzliche Zustand ist für sie unerträglich und deshalb reagieren sie eventuell mit Nervosität, Schwäche und/oder sie sind unkonzentriert und irritierbar.

Es kommt vor, dass Opfer vom Erlebten weg wollen, Distanz schaffen und vergessen wollen. Dabei kann dann jede Nebensächlichkeit wichtiger sein als das Geschehene selbst. Befindet sich das Opfer aber in eine sogenannten Ruhephase, zum Beispiel, wenn es allein ist, dann setzt die Angst ein und es kann nachts zu Schlafstörungen verbunden mit Alpträumen kommen.

Um die Probleme nach einer Vergewaltigung verstehen zu können genügt es nicht zu wissen, dass die Gewalttat folgen im Leben der Opfer haben wird und wie viel Angst diese in der Situation verspürten. Die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein in der Tatsituation bewirken zum Beispiel immer wiederkehrende Angst, Demütigung, Scham, Schuldgefühle, Selbstzweifel, Ohnmachtgefühle und Selbstwertlosigkeit. Die früher empfundene Sicherheit des eigenen Lebens geht bei den meisten Opfern verloren. Es kommt vor, dass die Opfer sich in Verwirrung wieder finden, da sie ihre Verhaltensweisen nach der Tat selbst nicht verstehen und das Gefühl bekommen können, verrückt zu werden. Vielleicht war das Opfer vor der Tat kontaktfreudig, offen und unbeschwert und findet sich danach in Depressionen, Misstrauen und Angst wieder. Das bisherige Leben wird hinterfragt und verändert sich von Grund auf.     

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